Zur Zeit ist es schwer zu schreiben, weil nämlich überhaupt vieles - also fast alles schwierig ist. Wie also komme ich dem Bedürfnis nach, ‘nach draussen’ zu schreiben, ohne mich aber selbst nach draussen zu begeben? Genau das führt mich am Ende zum Ende dieses Beitrags… Zu Anja Plaschg und ihrem Lied ‘Vater’.
Ich geh über die Covers. Es gibt nämlich drei, die mir spontan einfallen, wenn ich überlege, welche ich besonders gut (und das heisst bei mir: besser als die Originale) – finde.
Erstmal sind hier die Cowboy Junkies mit ihrer Version von Sweet Jane (im Original The Velvet Underground):
bei dem einem einfach so wohl um’ s Herz wird. In ihren Liedern vereinen sie Country und Blues Einflüsse – beides Musikrichtungen, mit denen ich sonst nicht viel am Hut habe. Ich hab ja noch nicht einmal einen Hut. Doch mit ihrer Art und ihren wundervollen Melodien kann ich mich ihrer Musik, die sie seit Jahrzehnten immer wieder anders und doch immer wieder unverwechselbar veröffentlichen, nicht entziehen. Da gibt es viele Beispiele.
Und dann – noch viel unglaublicher – das Cover von dem U2-Song “Love Is Blindness” von Cassandra Wilson :
So grossartig ruhig und diese schönen Menschen, die diese Ruhe während des Spielens sichtlich auskosten. Ich bin erstaunt, wie ich jedes Mal, wenn ich diese Version höre, trotz der Ruhe mein Herz beim Klopfen ertappe. Das ganze Album (‘Blue Moon Daughter’) ist so entspannt langsam, dass man die ganze Zeit des Hörens einfach nur wohlig einschlafen möchte. Nicht doch! Aufwachen! Zuhören!… und geniessen…
Ja und dann… dann ist da noch die Anja mit ihrem Cover von “Voyage, Voyage”. Ein Lied aus den 80ern, hey – DiscoDisco! Anja Plaschg – für mich eine grossartige Künstlerin, die es wirklich schafft sich und nur sich mit ihrer Wahrnehmung der gefühlten Welt auf Platte oder und erst recht auf die Bühne zu bringen. Was für eine Umsetzung: (von wem ist eigentlich das Video?!)
Bei ihrem Auftritt in München musste sie während des Liedes ‘Vater’ weinen und konnte nicht weitersingen. Sie hat nach dem Tod ihres Vaters ein Jahr gebraucht, um dieses eine Lied zu schreiben. Ich bewundere ihren Mut. Zurückhaltend wie sie sonst ist, lebt sie auf der Bühne ihre Emotionalität, die ich in unserer Zeit so oft vermisse und zu der sich viele nicht zu stehen trauen. Für mich ist sie ein Vorbild.
Zwei Monate später – ein anderes Konzert – stockt sie beim Singen, atmet in’s Mikrofon und sucht Kontakt zu ihren Musikern. Es sind nur ein paar Sekunden. Sie kann das Lied zu Ende singen. Danach geht sie von der Bühne und als sie wenige Minuten später zurückkommt ist sie noch ein wenig durcheinander, aber dann, nachdem sie sich selbst einen Vogel zeigt, geht’s weiter. Alles ganz normal – und authentisch. Wer das Seelenstriptease nennt… dessen Gemütsleben – egal, wie leicht es sein mag – möchte ich nicht haben.



